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Arbeitsmarkt

Arbeitende Rentner - ein Warnzeichen

  • Bild Armut im Alter
  • Video Wenn die Rente nicht reicht
  • Video Euro-Krise gefährdet Ersparnisse
  • BildArmut im Alter
    Immer mehr Rentner arbeiten / Quelle: dapd
    (28.08.2012 Quelle: dapd)
    VideoWenn die Rente nicht reicht

    Viele Rentner müssen sich etwas hinzuverdienen, weil ihre Rente nicht zum Leben reicht. Was dabei zu beachten ist, erklärt Carsten Fricke vom Sozialverband Deutschland e.V..

    (27.08.2012)
    VideoEuro-Krise gefährdet Ersparnisse

    "Mein Erspartes und meine Rente sind sicher", so denken viele Deutsche. Aber billiges Geld schwemmt die Märkte und könnte die Altersvorsorge reduzieren.

    (07.08.2012)

    Kurzmeldung

    • Immer mehr Rentner arbeiten 07:08 28.08.2012
      Immer mehr Rentner in Deutschland arbeiten auch noch in hohem Alter. Seit dem Jahr 2000 sei die Zahl der Ruheständler mit einem Minijob um knapp 60 Prozent oder etwa 280.000 auf 761.000 gestiegen, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Unter ihnen waren im Jahr 2011 etwa 120.000 Minijobber, die 75 Jahre und älter sind. Das gehe aus Antworten der Bundesregierung auf Anfragen der Linken-Bundestagsfraktion hervor. Zudem hatten laut Bundesagentur für Arbeit Ende vergangenen Jahres mehr als 150.000 Rentner eine sozialversicherungspflichtige Stelle. Ihre Zahl verdoppelte sich damit seit dem Jahr 1999.

    • Rentnerarbeit: Fachleute streiten 07:21 28.08.2012
      Nach Ansicht von Holger Schäfer, Arbeitsmarktexperte des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft, wollen viele Rentner arbeiten, weil sie sich noch fit fühlen. Untersuchungen zeigten, dass Menschen, die im hohen Alter noch arbeiten, meistens relativ hoch qualifiziert sind. "Das deutet darauf hin, dass die finanzielle Notlage in vielen Fällen eher nicht das Hauptmotiv sein dürfte." Dagegen sagte Ulrike Mascher, Vorsitzende des größten deutschen Sozialverbands VdK, dass immer mehr Menschen Probleme hätten, mit ihrem Alterseinkommen auszukommen.

    von Lars Bohnsack, Korrespondent im ZDF-Hauptstadtstudio

    In Deutschland wollen oder müssen immer mehr Rentner arbeiten - auch noch in hohem Alter. Das geht aus Antworten der Bundesregierung auf Anfragen der Linken-Bundestagsfraktion hervor. Wollen oder müssen? Die Zahlen sind in jedem Fall ein Warnsignal für zunehmende Altersarmut.

    Die Deutschen werden immer älter, gleichzeitig sinkt die Geburtenrate. Ergo sind die Älteren auch wieder am Arbeitsmarkt gefragt. Wer früher früh aussortiert wurde, weil alt und unflexibel, dessen Lebenserfahrung und Qualifikation ist heute wieder gefragt. Jetzt kommt´s noch besser. Auch immer mehr Rentner arbeiten, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Die Frage ist nur: wollen oder müssen sie?

    Rechnung ist nicht aufgegangen

    Es ist  noch gar nicht lange her, da haben deutsche Unternehmen ihre älteren Mitarbeiter mit Staatshilfe frühverrentet. Jung mußten sie sein und dynamisch, wenn das Unternehmen vorwärtskommen sollte.
    Links
    Dafür wurde sogar das Turboabitur eingeführt und der gute alte Diplomstudiengang auf Bachelor-Niveau verkürzt.

     

    Allein die Geburtenrate macht dem stetigen Wachstumsbestreben ein Strich durch die Rechnung. Für Ausbildungsplätze gibt es nicht mehr genug Bewerber, das Interesse qualifizierter ausländischer Bewerber hält sich in Grenzen. Jetzt darf – oder muß - also die beschäftigungspolitische Kaltreserve wieder ran, Ältere oder sogar Renter. Wirtschaftsnahe Institute jubilieren, Menschen, die im hohen Alter noch arbeiten, seien meist hochqualifiziert, heißt es da.

    Warnzeichen für zunehmende Altersarmut

    Das mag für einen überschaubaren Teil zutreffen, den meisten Rentnern aber geht es wohl eher darum, ihre immer kleiner werdende Alterssicherung aufzubessern. In absoluten Zahlen sind es vor allem Ruheständler mit einem Minijob, die in der Statistik auffallen. 760.000 sind es, 60 Prozent mehr als noch vor zwölf Jahren.

    Mehr ältere Minijobber - was heißt das?

    Für den Sozialverband VdK gibt es eine eindeutige Erklärung für die steigende Zahl älterer Minijobber: "karge" Alterseinkommen. Das Bundesarbeitsministerium wies diese Interpretation der Daten als verfehlt zurück: "Wir sind auf dem Weg in die Gesellschaft des längeren Lebens und Arbeitens", sagte ein Sprecher. Eine differenziertere Sicht sei auch auf die Entwicklung der Minijobs nötig, die 2003 grundlegend reformiert wurden. "Zahlen von vor 2003 lassen sich nur bedingt mit denen danach vergleichen." So habe nach der Minijob-Reform die Zahl der geringfügig Beschäftigten stark zugenommen. Das Wachstum verlangsamte sich den Angaben nach seit 2006 deutlich. Und: "2010 sank die Zahl der über 65-Jährigen mit Minijob sogar."

    Minijobs, attraktiv allein deshalb, weil man bis zu 400 Euro im Monat verdienen kann, ohne Steuern oder Sozialabgaben entrichten zu müssen. Das heißt aber auch sehr oft einfache Arbeit: Zeitung austragen, putzen, Regale im Supermarkt einräumen, Wachdienst schieben. Nicht unbedingt Jobs für Akademiker oder Facharbeiter.

    Deshalb sollten die von Wirtschaft und Regierung goutierten Zahlen ganz genau unter die Lupe genommen werden. Sie sind nämlich vor allem eins: Ein Warnzeichen, dass die Altersarmut zunimmt. Dass viele Rentner jetzt schon von ihrer Rente allein nicht leben können. Und dass wir am Anfang eines stetig zunehmenden Problems stehen.

    Wer ist von Altersarmut bedroht?

    Niedrigverdiener

    Die Höhe der Rente hängt grundsätzlich von der Anzahl der Versicherungsjahre und der Höhe des Einkommens ab. Deshalb gilt: Wer viel verdient und über lange Zeit Beiträge einzahlt, bekommt eine relativ hohe Rente. Wer wenig verdient und deshalb auch nur wenig in die Rentenkasse einzahlt, bekommt eine niedrige Rente.

    Daraus folgt: Niedrigverdiener, Teilzeitbeschäftigte, Leiharbeiter und Menschen mit längeren Phasen der Arbeitslosigkeit müssen am ehesten mit späterer Altersarmut rechnen. Für Minijobber - und das sind meist Frauen - gilt dies immer dann, wenn sie ihre Beschäftigung nicht lediglich als Nebenjob ausüben. Wer 45 Jahre nur als Minijobber arbeitet, erwirbt bei Aufstockung durch eigene Beiträge einen Rentenanspruch von 182,70 Euro monatlich. Ohne eigene Beiträge gibt es nur 139,95 Euro Rente im Monat.

    Als Niedriglohnschwelle in Deutschland gilt nach OECD-Kriterien ein Betrag von 1.802 Euro im Monat. Im Westen reicht der untere Lohnbereich bis 1.890 Euro und bis 1.379 Euro in den neuen Ländern. Unter dieser Lohnschwelle liegen die Verdienste von 34,4 Prozent der vollzeitbeschäftigten Frauen im Westen. Im Osten sind es 28,3 Prozent.

    Existenzminimum

    Nach Angaben der Bundesregierung lag das Existenzminimum von Ruheständlern Ende 2010 bei durchschnittlich 688 Euro im Monat. Kleine Renten beziehen derzeit schon vor allem Frauen. So erhielten im vergangenen Jahr 70,2 Prozent der West-Rentnerinnen eine Rente von weniger als 650 Euro, im Osten waren es 63,9 Prozent. Zieht man die Grenze bei 700 Euro, so lagen 74,7 Prozent der Frauen mit ihrer Rente darunter, im Osten waren es 51,9 Prozent. Seit 2003 nimmt der Anteil dieser Niedrigrenten zu.

    Die Regierung weist aber in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion (Bundestagsdrucksache-Nr. 17/8928) darauf hin, dass geringe Renten - nicht zuletzt wegen anderer Einkünfte - häufig "kein Indiz für geringe Gesamteinkommen im Alter sind". Insgesamt verfügten Single-Rentnerinnen zuletzt durchschnittlich über 1.188 Euro.

    Wie Armut berechnet wird

    Nach der EU-Definition gilt als arm, wer von weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung seines Landes lebt. Dieser Wert ist in den einzelnen Staaten unterschiedlich. In der deutschen Stichprobe - für die die EU Definitionen und Methoden vorschreibt - liegt die Schwelle bei 11.151 Euro Jahreseinkommen pro Person.

    In die Berechnung fließt das gesamte Einkommen eines Haushaltes ein: Dazu gehört Geld aus Erwerbsarbeit und aus Vermögen, Rente und Pension sowie Leistungen wie Arbeitslosengeld, Sozialhilfe und Kindergeld. Direkte Steuern und Sozialbeiträge werden abgezogen. Dieses Gesamteinkommen wird nach einem festgelegten Schlüssel auf die Mitglieder eines Haushalts verteilt, und dabei auch berücksichtigt, dass mehrere Menschen bei laufenden Kosten Geld sparen.

    28.08.2012, Quelle: dpa, afp
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