Fußball - Bundesliga
Düsseldorf - Schalke im Liveticker
Mental geordnete Torverhinderervon Andreas MorbachFünf Spieltage haben Aufsteiger Düsseldorf genügt, um Bundesliga-Geschichte zu schreiben. Fortunas strikte Weigerung, Gegentreffer zuzulassen, wollen nun die offensivstarken Schalker überwinden; während sich die Rheinländer vor dem Freitagspiel gegen Schalke (20.30 Uhr im zdf.sport.de-Livecenter) erst mal über ein volles Stadion freuen.
Norbert Meier ist inzwischen darin geübt, sich zu rechtfertigen. Woche für Woche musste sich Düsseldorfs Cheftrainer zuletzt vorwerfen lassen, seinem Team außer Torverhinderung nicht viel beigebracht zu haben. Als fußballerischer Trauerfall wurde der zweite Überraschungsneuling neben der Frankfurter Eintracht medial gebrandmarkt. Bis zum jüngsten 2:0 bei Mit-Aufsteiger Fürth, als die Fortuna auch durch ansprechende Offensivaktionen und gut herausgespielte Treffer auffiel.
Bescheidene Bundesliga-Meriten„Wenn es möglich ist, sind selbst wir bestrebt nach vorne zu spielen“, erwähnte Meier anschließend mit bissigem Humor – und verweist vor dem Gastspiel des FC Schalke nun zudem auf die eher bescheidenen Meriten seines Fußballpersonals. „Wir haben einen Großteil an Spielern, die nie in der ersten Liga gespielt haben“, erklärt der Coach der Rot-Weißen. Und nicht nur das: 18 Spieler aus seinem aktuellen Kader haben in der vergangenen Saison noch nicht bei Fortuna gespielt.Denn der 54-jährige Meier hat sein Feld den Sommer über mit großem Eifer neu bestellt. In ähnlicher Weise und durchaus erfolgreich praktizierte er dies einst auch schon beim MSV Duisburg – was dem Bekenntnis zu verdientem Personal nicht zwangsläufig zuwiderlaufen muss: In Fürth etwa fanden sich in Fortunas Startelf acht jener 13 Spieler wieder, die schon beim Aufstieg dabei waren und Meiers Radikalumbau unbeschadet überstanden haben.
Blut gelecktEiner davon ist Oliver Fink. Der unentbehrliche Mann aus dem defensiven Mittelfeld erzielte das 1:0 selbst, bereitete das 2:0 vor, gewann 77 Prozent seiner Zweikämpfe und meinte später in vollendeter Bodenhaftung: „Bei meinem Tor hab‘ ich Glück gehabt.“ Und: „Im Spiel nach vorne muss ich besser werden.“ Solche Sätze sind Musik in den Ohren von Norbert Meier, dessen Credo gerade in diesen beschwingten Tagen lautet: „Wichtig ist für uns, dass wir mental geordnet bleiben.“In einem Stadion, das wegen der skandalösen Umstände beim Düsseldorfer Aufstieg zu den trüben Heimpartien gegen Gladbach und Freiburg (jeweils 0:0) nur zur Hälfte gefüllt werden durfte, war das für die Fortuna-Spieler und ihre Fans keine übermäßig schwere Übung. Beim Flutlichtspiel gegen Schalke dürfte das nun anders werden. Das ahnt auch S04-Kapitän Benedikt Höwedes, der weiß: „Ein Aufsteiger mit zwei Siegen, noch ohne Gegentor – die Düsseldorfer haben Bundesliga-Blut geleckt.“Resolute Null-LinieDie Königsblauen dagegen können nicht nur eine geballte Ladung an Bundesliga- und Champions-League-Erfahrung aufbieten. Sondern auch einen Angriff, der der einmaligen Gegentorverweigerung der Rheinländer ein Ende setzen will. Die dazugehörenden Namen sind Norbert Meier natürlich geläufig. „Huntelaar, Farfán, Afellay – sie garantieren doch geradezu Tore“, betont der frühere Filigrantechniker, der den Stopp für die beachtliche Fortuna-Serie jedoch nicht fürchtet.
„Ich liege“, sagt Meier, „nicht nachts wach im Bett – aus Angst, dass wir im nächsten Spiel mal wieder einen fangen könnten.“ Schließlich hat sein Team bereits Bundesliga-Geschichte geschrieben: Fünf Runden zu überstehen, ohne einen einzigen Ball aus dem eigenen Tor klauben zu müssen – das schaffte vor den Düsseldorfern noch kein Aufsteiger. Und unter Europas Erstligisten sind die Fortunen mit ihrer resoluten Null-Linie ebenfalls einsame Spitze.Altlasten über BordBislang allerdings kamen die Gegner des Neulings allesamt aus dem unteren Tabellendrittel, darunter die drei ultimativen Kellerkinder Fürth, Stuttgart und Augsburg. Mit Schalke wartet nun der erste echte Härtetest auf Meiers Defensivvirtuosen, ehe in drei Wochen Rekordmeister Bayern München am Rhein gastiert. Es sind die passenden Gegner, um das halbleere Stadion bei den ersten zwei Heimpartien zu vergessen. „Mit dem Schalke-Spiel sind endlich alle Altlasten über Bord geworfen“, frohlockt Meier, während der Kollege Huub Stevens die wachsende Begeisterung der Düsseldorfer am Fußball-Oberhaus umgehend eintrüben will. „Bisher hat keine Mannschaft gegen sie ein Tor erzielt“, hat auch der Coach der Gelsenkirchener mitbekommen – und fordert deshalb: „Wir müssen das schaffen.“
28.09.2012
Fortuna Düsseldorf
Quelle: dpa
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ZITAT
„Ich liege nicht nachts wach im Bett – aus Angst, dass wir im nächsten Spiel mal wieder einen fangen könnten.”Norbert Meier
Norbert Meier
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