Formel 1 - Mercedes
Schumi hört auf - Hamilton kommt
AbstimmungWar Schumis Comeback ein Fehler?
Schumis Vertrag - eine Chronologie
So lief der Vertragspoker
22. Februar: Teamchef Ross Brawn sagt in einem Interview: «Ich denke,
dass es anhand der Ergebnisse schnell, also nach fünf oder sechs
Rennen, offensichtlich wird, in welche Richtung wir mit Michael
planen.»
8. März: Teamkollege Nico Rosberg sagt auf die Frage, ob er damit
rechne, dass Schumacher auch im kommenden Jahr an seiner Seite fahre:
«Gut möglich und das wäre auch gut so. Wir ergänzen uns
technisch gut, was natürlich für die Weiterentwicklung des Autos
immer wieder hilfreich ist.»
26. Mai: Nach Schumachers prestigeträchtiger Qualifikationsbestzeit
in Monte Carlo sagt Brawn zum Thema Weitermachen: «Nach der
heutigen Leistung wäre das sicher jedermanns Wunsch. So etwas ist
toll für uns als Team, für die ganze Formel 1.»
Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug schwärmt: «Sein Talent, seine
Fähigkeiten sind da, so wie sie es immer waren.»
7. Juni: Vor dem Großen Preis von Kanada bekräftigte Rosberg:
«Momentan gehe ich davon aus, dass der Michael weiter mein
Team-Kollege bleibt. Ich sehe keinen Grund, warum er
aufhören sollte.»
24. Juni: Schumacher nach seinem 3. Rang in Valencia - dem ersten
Podestplatz seit seinem Sieg am 1. Oktober 2006 in China - auf eine
entsprechende Frage eines Journalisten: «Ich glaube nicht, dass ich
jemals über die Zeit gesprochen habe. Ich habe auch nie vom Sommer
geredet.»
3. Juli: Brawn prescht bei einem Fan-Forum im englischen Grove vor:
«In den nächsten sechs Wochen müssen wir darüber nachdenken, was wir
im kommenden Jahr machen wollen. Wenn diese Entscheidung gefallen
ist, wissen wir, ob wir uns umschauen müssen oder die Fahrer
behalten, die wir haben.»
4. Juli: Die Reaktion folgt prompt. Schumachers Managerin Sabine
Kehm: «Ich kann nur immer wiederholen, dass wir gemeinsam mit dem
Team die Entscheidung natürlich kommunizieren werden, wenn sie
gefallen ist. An einer öffentlichen Diskussion über Zeitabläufe,
Hintergründe oder Tendenzen aber werden wir uns nicht beteiligen.»
5. Juli: Schumacher legt sich - merklich genervt - fest: «Vor Oktober
kann von meiner Seite mit Sicherheit keine Entscheidung getroffen
werden. Tut mir leid, aber da kann ich Euch nicht helfen.»
17. Juli: Vor dem Heimrennen in Deutschland sagt
Mercedes-Motorsportchef Haug: «Wir werden uns mit Michael
zusammensetzen und gemeinsam eine Entscheidung treffen, Eile besteht
dabei nicht.»
26. August: Schumacher: «Bereut habe ich mein Comeback bis jetzt
nicht eine Sekunde. Es waren sehr viele schöne Momente dabei.»
30. August: Schumacher bekräftigt in Spa-Francorchamps vor seinem
300. Formel-1-Rennen, dass mit einer Entscheidung
über seine sportliche Zukunft nicht vor Oktober zu rechnen sei. Haug
pflichtet bei: «Ich bitte um Ihr Verständnis, dass wir hier nicht
Wasserstandsmeldungen veröffentlichen werden, sondern sofort dann
informieren, wenn wir Beschlüsse gefasst haben.»
5. September: Nun kommen die potenziellen Nachfolger ins Spiel.
Mercedes und McLaren dementieren aber Gerüchte, dass Lewis
Hamilton Schumacher ersetzen könnte.
6. September: «Nein», sagt Hamilton in Monza auf die Frage, ob er
wisse, für welches Team er nächstes Jahr fahre. Schumacher amüsieren
sämtliche Spekulationen;: «Ich finde die Frage immer wieder lustig.
Bei mir gibt es nichts Neues. Immer in Monza beginnt die Silly
Season.» Der Oktober sei «der logische Zeitpunkt für uns», beteuerte
er.
7. September: Auch Haug kann mit den Hamilton-Nachfolge-Gerüchten,
gestreut übrigens vom ehemalige Teamchef Eddie Jordan, leben. «So
lange Plätze frei sind, muss man damit rechnen.» Vor dem
Italien-Rennen versichert Haug: «Fix ist nix.»
28. September: Der Vertrag von Schumacher bei Mercedes wird nicht
verlängert. Sein Nachfolger wird der britische Ex-Weltmeister Lewis
Hamilton. "Ich hatte drei schöne Jahre beim Mercedes-F1-Team, die
leider sportlich nicht so gelaufen sind, wie wir uns das alle
gewünscht hatten", so Schumacher, "ich wünsche Lewis alles Gute
und der gesamten Mannschaft den Erfolg, für dessen Aufbau wir so
hart gearbeitet haben. Jetzt werde ich mich auf die kommenden Rennen
konzentrieren."
ZITAT
„Ich hatte drei schöne Jahre beim Mercedes-F1-Team, die leider sportlich nicht so gelaufen sind, wie wir uns das alle gewünscht hatten”Michael Schumacher
Formel-1-Weltmeisterschaften gewonnen haben."
Michael Schumacher
Karriere im Überblick
Team: Mercedes AMG Grand Prix
Startnummer: 7
geboren am: 3. Januar 1969 in Hürth-Hermühlheim
Erster Grand Prix: 25. August 1991 GP Belgien
Erster GP-Sieg: 30. August 1992 GP Belgien
GP-Starts: 302
GP-Siege: 91
Größte Erfolge:
Weltmeister 1994/1995 und 2000 bis 2004
Teams:
1991 Jordan, Benetto
1992 - 1995 Benetton
1996 - 2006 Ferrari
seit 2010 Mercedes bis Stember 2012
Erklärung im Wortlaut
"Ich habe beschlossen, meine Formel-1-Karriere zum Saisonende zu
beenden, im Bewusstsein, noch immer mit den Besten der Welt
mithalten zu können. Das macht mich stolz, und auch deshalb habe ich
mein Comeback nie bereut. Ich kann zufrieden sein mit meiner
Leistung der vergangenen drei Jahre und damit, dass ich es geschafft
habe, mich kontinuierlich zu steigern. Aber irgendwann kommt die
Zeit für den Abschied.
Ich war mir schon während der letzten Monaten nicht mehr sicher,
ob ich die nötige Motivation und Energie für ein oder zwei weitere
Jahre noch aufbringen kann; und es ist nicht mein Stil etwas zu tun,
wovon ich nicht 100 Prozent überzeugt bin. Deshalb habe ich so lange
gezögert mich festzulegen. Mit meiner heutigen Entscheidung fühle
ich mich von diesen Zweifeln befreit. Am Ende habe ich den Anspruch,
nicht nur mitzufahren, sondern um Siege zu kämpfen; und die Lust am
Fahren nährt sich bekanntlich auch durch Wettbewerbsfähigkeit.
Ich habe Ende 2009 gesagt, dass ich an meinen Erfolgen gemessen
werden möchte, und daher habe ich in den vergangenen drei Jahren
viel Kritik eingesteckt, die zum Teil berechtigt war. Es ist
unbestritten, dass wir unser Ziel, innerhalb dreier Jahre ein
WM-Auto zu entwickeln, nicht erreicht haben. Klar ist auch, dass ich
niemandem mehr eine langfristige Perspektive bieten kann. Klar ist
für mich aber auch, dass ich nach diesen drei Jahren nicht weniger
glücklich sein kann über das, was ich in der Formel 1 erreicht habe.
Ich habe in den vergangenen sechs Jahren vieles - auch über mich
selbst - dazu gelernt, und dafür bin ich dankbar: dass man sich
öffnen kann, ohne an Focus zu verlieren. Dass Verlieren schwieriger
als Gewinnen sein kann, und auch lehrreicher; vorher hatte ich das
manchmal aus den Augen verloren. Dass man es schätzen muss, wenn man
tun darf, was man liebt. Dass man seine Ueberzeugungen leben sollte.
Ich habe meinen Horizont erweitert und bin im Reinen mit mir.
Ich bedanke mich bei Daimler, Mercedes-Benz und dem gesamten
Team für das mir entgegen gebrachte Vertrauen. Ich bedanke mich bei
allen meinen Freunden, Partnern und Weggefährten, die mir in all den
Jahren mit Rat und Tat zur Seite standen. Am meisten aber bedanke
ich mich bei meiner Familie, die immer hinter mir steht. Die mir die
Freiheit gibt, meine Ueberzeugungen zu leben und meine Freude daran
teilt."
Seine Jahre in der Formel 1
1991: 25. August, Spa-Francorchamps, 1. Formel-1-Rennen. Gleich im
zweiten Lauf seiner Karriere fährt er in die Punkte.
1992: 1. Sieg, auch in Spa-Francorchamps. In seiner ersten kompletten
Saison wird Schumacher gleich WM-Dritter.
1993: Ein Saisonsieg, WM-Vierter.
1994: Schumacher gewinnt im Benetton zum ersten Mal den Titel.
Überschattet wird die Saison vom Tod Ayrton Sennas (1. Mai) -
Schumacher gewann das Rennen in Imola. In der Stunde des WM-Triumphs
erinnert Schumacher an Senna. Es wäre sein Jahr geworden, sagt der
neue Weltmeister.
1995: Schumacher verteidigt seinen Titel. Das Duell zwischen dem
kompromisslosen Kerpener und dem erneut geschlagenen Damon Hill
fesselt die Formel-1-Fans.
1996: Erstes Jahr bei Ferrari. Aufbauarbeit ist gefragt. Drei
Saisonsiege, keine Chance auf den Titel.
1997: Der Skandal von Jerez: Schumacher fährt im letzten Rennen
seinem Titelrivalen Jacques Villeneuve ins Auto. Der Kanadier kann
aber im Gegensatz zu Schumacher weiterfahren. Der Kerpener wird wegen
Unsportlichkeit aus der WM-Wertung gestrichen.
1998: Mal wieder Spa. Im Regen fährt Schumacher ins Heck des
zur Überrundung anstehenden David Coulthard, Teamkollege des WM-
Führenden und späteren Weltmeisters Mika Häkkinen, und scheidet aus.
In der Boxengasse kommt es fast zu Handgreiflichkeiten
1999: Schumachers schwerster Formel-1-Unfall. In Silverstone rast er
wegen eines Bremsdefekts in einen Reifenstapel: Schien- und
Wadenbeinbruch.
2000: Beginn der sagenhaften Titelserie mit Ferrari. Es ist der erste
Triumph für die Italiener seit 1979.
2001: Die Titelverteidigung ist vier Rennen vor dem Saisonende
perfekt. Zugleich stellt er den Rekord von Alain Prost ein, der 51
Grand Prix gewann.
2002: Titel Nummer drei mit Ferrari, mit seinem persönlichen fünften
WM-Triumph zieht Schumacher mit Juan Manuel Fangio gleich. Allerdings
auch: Der Stallorder-Skandal von Spielberg, als Ferrari Rubens
Barrichello zugunsten von Schumacher einbremst.
2003: Mit nur zwei Punkten Vorsprung auf den damaligen
McLaren-Mercedes-Piloten Kimi Räikkönen gewinnt Schumacher seine
sechste WM.
2004: Titel Nummer sieben. Triumph in Spa perfekt gemacht.
2005: Schumacher muss sich Fernando Alonso im Renault geschlagen
geben. Dazu noch Bruderzwist in Monaco: Schumacher versucht,
seinen Bruder noch auf der Ziellinie zu überholen, um Sechster zu
werden. Schumi II tobt: "Manchmal schaltet er sein Gehirn nicht ein."
2006: Kein Titel, aber mit der 66. Pole Position überbietet er Sennas
Rekord. Und wieder ein Skandal: In Monaco stellt Schumacher seinen
Ferrari auf der Strecke in den Weg. Ein paar Monate später folgt die
Rücktrittsankündigung.
2007: Schumacher arbeitet seit seinem Rücktritt als Ferrari-Berater.
2008: Weiterhin als Berater der Scuderia im Einsatz.
2009: Schumacher will für den verunglückten Felipe Massa bei Ferrari
einspringen. Die Folgen eines Motorradunfalls im Februar durchkreuzen
die Pläne. Dann der Vorweihnachts-Kracher: Schumacher fährt ab 2010
für das Werksteam Mercedes Grand Prix.
2010: Die Rückkehr ins Renngeschehen. Nicht aber zu alten Erfolgen.
WM-Neunter. Meist geschlagen vom eigenen Teamkollegen Nico Rosberg.
2011: Das zweite Comeback-Jahr verläuft bis zur Sommerpause erneut
frustrierend. Doch "Schumi" hofft weiter auf "Achtungszeichen".
2012: Der dritte Anlauf im Silberpfeil, viel besser wird es nicht.
Bestzeit in der Qualifikation von Monaco, Platz drei in Valencia - zu
wenig. Mercedes mustert "Schumi" zum Saisonende aus und verpflichtet
Lewis Hamilton als Nachfolger. Am 4. Oktober erklärt Schumacher sein
Karriereende nach der laufenden Saison. Am 25. November nach seinem
308. Formel-1-Rennen geht Schumacher in die PS-Rente.
Lewis Hamilton
Die Karriere des Briten
Team: McLaren-Mercedes
Startnummer: 4
geboren am: 7. Januar 1985 in Hertfordshire/England
Erster Grand Prix: 18. März 2007 GP Australien
Erster GP-Sieg: 10. Juni 2007 GP Kanada
GP-Starts: 104
GP-Siege: 20
Größte Erfolge: Weltmeister 2008
Teams: McLaren 2007 bis 2012, Mercedes (ab 2013)



