von Reinhard KrennhuberDie Chronologie des Scheiterns gegen Deutschland ist um ein weiteres Kapitel reicher. Dass die 1:2-Niederlage Österreichs unverdient zustande kam, tat der Realität keinen Abbruch. Unglücksrabe Marko Arnautovic verzog sich durch die Hintertür, die Frage nach dem Warum mussten andere beantworten.Kein österreichischer Fußballfan will sie jemals wieder sehen. Und doch werden sie sich die Szene aus der 87. Minute noch oft anschauen und vorgespielt bekommen: Der freigespielte Jakob Jantscher gelangt auf links hinter die deutsche Abwehr. Sein perfekter Stanglpass, wie die Österreicher sagen, findet Marko Arnautovic. Doch der Werder-Angreifer kann die flache Hereingabe nicht verwerten und verstolpert aus wenigen Metern die große Chance auf das 2:2.
Arnautovic sprachlosViel hat nicht gefehlt. Weil Arnautovic im entscheidenden Moment aber den Ball nicht richtig erwischt hat, blieb den Österreichern der erste Punktgewinn gegen eine DFB-Elf seit 20 Jahren verwehrt. Trotz starker Leistung, trotz Chancenplus. In der Mixed Zone des Ernst-Happel-Stadions warteten die Reporter vergeblich auf den Mann, der dem Spiel eine andere Wendung bereiten hätte können. Nach einem kurzen TV-Interview, in dem er sich beim "ganzen Land" entschuldigte, hatte der 23-jährige Exzentriker genug von den bohrenden Fragen und verschwand ohne weitere Stellungnahme.
ZITAT
„Natürlich ist er enttäuscht. Aber er wird nicht im Boden versinken, genauso wenig wie wir im Boden versinken werden.”
Andreas Ivanschitz über Arnautovic
Also blieb es anderen vorbehalten, ihre Sicht der Dinge zu beschreiben. Nein, er habe den Ball noch nicht im Tor gesehen, meinte Manuel Neuer. "Ich habe aber auch nicht mehr mitbekommen, wo er hingegangen ist." Andreas Ivanschitz beantwortete die Frage nach der Reaktion Arnautovics in der Kabine mit einem vielsagenden Schulterzucken und nahm seinen Teamkollegen dann in Schutz: "Marko hat sich zwei, drei gute Chancen erarbeitet, das Tor aufgelegt. Natürlich ist er enttäuscht. Aber er wird nicht im Boden versinken, genauso wenig wie wir im Boden versinken werden."
Respekt vom GegnerWozu für die Österreicher trotz des verpatzten Starts in die WM-Qualifikation keine Veranlassung besteht. Denn der hohen Laufbereitschaft, dem guten Spiel gegen den Ball, dem aggressiven Zweikampfverhalten zollte nach dem Spiel im mit 47.000 Zuschauern ausverkauften Prater-Oval auch der Gegner Respekt. "Es war schwer und wir haben es uns durch zwei, drei Fehler im Spielaufbau noch schwerer gemacht", meinte Innenverteidiger Mats Hummels.
ZITAT
„Die Art und Weise dieses Sieges genügt unseren Ansprüchen nicht.”
Philipp Lahm
Philipp Lahm ergänzte: "Vor allem in den ersten und in den letzten 20 Minuten haben wir es nicht geschafft, das Pressing der Österreicher zu überwinden. Das Zusammenspiel der verschiedenen Mannschaftsteile hat nicht nach Wunsch geklappt." Der DFB-Kapitän machte kein Hehl aus seiner Erleichterung, das Auswärtsspiel in Wien abhaken zu können: "Die Art und Weise dieses Sieges genügt unseren Ansprüchen nicht. Trotzdem haben wir nach zwei Spielen sechs Punkte. Damit können wir zufrieden sein."
Bittere Erkenntnis für ÖsterreichMit Zufriedenheit war es beim ÖFB-Team trotz des couragierten Auftretens naturgemäß nicht weit her. Joachim Löws Aussage auf der Pressekonferenz, Deutschland sei an diesem Abend einfach wieder um einen Tick cleverer gewesen, brennt wie eine auf der Hand ausgedrückte Zigarette. "Entscheidend war, dass wir nicht in Führung gegangen sind. Gegen Deutschland bekommst du eben nicht viele Großchancen", haderte Ivanschitz mit sich, Arnautovic und dem niederländischen Schiedsrichterteam, das vor dem Elfmeter zum 2:0 eine klare Abseitsstellung übersah.
ZITAT
„Deutschland wird auch noch Punkte liegen lassen, wenn sie so spielen wie heute.”
Emanuel Pogatetz
Bei Emanuel Pogatetz regierte derweil schon der Trotz: "Wir haben die Deutschen minimiert, mehr Chancen gehabt als sie. Es gibt keinen Grund, den Kopf jetzt hängen zu lassen. Wir können eine gute Rolle spielen in dieser Gruppe." Nachsatz: "Und Deutschland wird auch noch Punkte liegen lassen, wenn sie so spielen wie heute." Nur davon können sich Pogatetz und Kollegen nichts mehr kaufen.