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Paralympics in London

Durch London im Rollstuhl: Mittendrin ...

von Marcel Bergmann

Es war nicht mein erster Aufenthalt in London im Rollstuhl. Aber es war der erste, bei dem ich mich anlässlich der Paralympics intensiv mit der Tauglichkeit der Stadt für Menschen mit Behinderung auseinandergesetzt habe.

Als ich 1996 während der Fußball-EM (bei der, das nur am Rande, die deutsche Mannschaft durch Bierhoffs "Golden Goal" ihren bislang letzten Titel gewann) in London unterwegs war, lag mein Unfall erst gut anderthalb Jahre zurück, und ich war damals noch nicht in der Lage, über die täglichen Bedürfnisse hinaus allgemeine Dinge zu reflektieren.

Integration ist nicht immer einfach

Das war diesmal grundlegend anders, und gemeinsam mit meiner Kollegin Susanne Gelhard, die hier das ZDF-Auslandsstudio leitet, habe ich noch vor dem Start der Paralympics die Londoner City auf ihre Behinderten-, genauer noch auf ihre Rollstuhltauglichkeit geprüft.

Was ich erwartet hatte und sogar mehr oder weniger zu wissen glaubte, sollte sich gleich nach den ersten Metern im Rolli bestätigen. Die Schwierigkeit nämlich, alter und über Jahrhunderte gewachsener Städte, Menschen mit Behinderung in das Stadtleben zu integrieren. Kopfsteinpflaster, Bürgersteige ohne Absenkung, Unebenheiten allenthalben und jede Menge Menschen und Verkehr machen das Vorankommen im Rollstuhl zu einem oft schwierigen und anstrengenden Unterfangen.

Per Rampe ins Taxi

Die öffentlichen Verkehrsmittel sind nur bedingt für Rollstuhlfahrer nutzbar. So ist nur etwa eine von zehn Metro-Stationen mit Aufzügen ausgestattet, an den anderen neun sind steile vielstufige Treppen im Rolli unüberbrückbar. Auch sind nur relativ wenige Stadtbusse mit einer ausfahrbaren Rampe ausgerüstet, weshalb ich beim Ein- und Aussteigen meist auf die freundliche Unterstützung von Mitfahrern angewiesen war. Dafür verfügen aber alle schwarzen Londoner Taxen über eine ausklappbare kleine Rampe, mit deren Hilfe ich diese herrlichen Automobile aus einem anderen Jahrhundert problemlos nutzen kann.

In älteren und daher behindertenfeindlich errichteten Gebäuden, wie zum Beispiel dem "Natural History Museum", wird oftmals versucht, mithilfe von nachträglich eingebauten Aufzügen, Rampen und Behindertentoiletten den Zugang für Rollifahrer einfach und angenehm zu gestalten. Und dass ich sogar den von "Emirates Airline" finanzierten "Cable Car" über die Themse fahren und das touristenträchtige Riesenrad, das "London Eye", nutzen und dabei aus luftiger Höhe wunderschöne Panoramen dieser so lebendigen Stadt genießen konnte, lässt mein Fazit letztlich doch eher positiv ausfallen.

Chance zur Normalität

In London ist das Glas für Rollstuhlfahrer meiner Ansicht und meinen Erlebnissen nach nicht halbleer, sondern halbvoll. Klar, es gibt immer noch viele Unwägbarkeiten, vieles ist und bleibt mit dem Rolli nur schwer - oder ganz unmöglich. Aber die Stadt müht sich nach finanziellen Kräften, Menschen mit Behinderung die Chance zu geben, ein völlig normaler Teil der Stadtbevölkerung zu sein, mittendrin in diesem bunten Gemisch aus Völkern aller fünf Kontinente, auch als Behinderter.

Und genau so habe auch ich mich in London gefühlt: Mittendrin...!

Im Rolli durch London:

Das Nachtleben

Dieses Mal erkundet Rollstuhlfahrer Marcel Bergmann das Nachtleben von London. Die Brick Lane: Clubs, Restaurants, Bars - auch Rollifahrer können hier ungestört in die Atmosphäre eintauchen.

08.09.2012
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