Tennis - Andrea Petkovic
„Ich bete täglich, dass ich gesund bleibe"
von Heiko OldörpVor einem Jahr war Andrea Petkovic Deutschlands beste Tennis-Spielerin. Aufgrund von schweren Verletzungen fiel sie mehr als sieben Monate aus – und in der Weltrangliste von Platz neun auf Position 43. Jetzt ist sie zurück – mit vorerst bescheidenen Zielen. Im Achtelfinale des WTA-Turniers in New Haven/Connecticut hatte Petkovic das Nachsehen. Stadionsprecher Wayne Bryan spricht von der “charismatischen und starken Andrea Petkovic”, als er die Darmstädterin am Mittwoch auf dem Centre Court des Connecticut Tennis Center in New Haven vorstellt. „Let´s say welcome back“, brüllt Bryan ins Mikrofon, während sich Petkovic und Achtelfinalgegnerin Dominika Cibulkova aus der Slowakei einspielen. Die Musik wird lauter, viele Zuschauer applaudieren. Petkovic hingegen bleibt gelassen, konzentriert sich auf die Ballwechsel.„Seuchenjahr“ 2012 Es ist ihr zweites Match nach ihrer schweren Knöchelverletzung und es wird die erste Niederlage. Mit 4:6, 1:6 verliert die Deutsche – und wirkt dennoch gelassen. Es sei relativ klar gewesen, dass sie hier keine Meisterstücke schaffen werde, betont Petkovic. Sie sei nach New Haven gekommen, um Matchpraxis zu sammeln. Und dieses Jahr, hebt die 24-Jährige abschließend hervor, „wird für mich sowieso nur ein Testjahr sein.“ Petkovic hätte auch sagen können, dass in den verbleibenden vier Monaten ohnehin nichts mehr zu retten ist. 2012 hat sie bereits als „Seuchenjahr“ abgebucht.
Mehr als sieben Monate ist Petkovic verletzt, frustriert, verzweifelt gewesen. Im Januar Ermüdungsbruch im unteren Rücken. Als die Hessin gerade wieder fünf Tage auf dem Platz steht, knickt sie Ende April beim Turnier in Stuttgart mit dem rechten Fuß um, zwei Bänder im Sprunggelenk reißen. Erneut sitzt sie daheim. „Ich hatte Angst, dass sich das Tennis weiterentwickelt und ich womöglich nicht mehr hinterher komme“, betont Petkovic.Motivationsprobleme beim EnergiebündelDas immer gut gelaunte Energiebündel hat zum ersten Mal Motivationsprobleme. Für gewöhnlich, sagt Petkovic und schnippt dabei mit Daumen und Mittelfinger, springe sie morgens förmlich aus dem Bett. Während ihrer Rekonvaleszenz hingegen habe sie keinerlei Lust verspürt, aufzustehen „und in der Reha wieder fünf Stunden die gleiche Übung zu machen, ohne zu schwitzen.“ Tennis schaut sie kaum, nur bei den Spielen der deutschen Frauen schaltet sie ein - „weils einfach meine Freundinnen sind.“Während Deutschlands Nummer eins des Vorjahres zum Nichtstun verdammt ist, spielt sich Angelique Kerber in den Vordergrund und bis auf Weltranglisten-Platz sechs. Als die Kielerin vor einem Jahr noch 92. ist, prognostiziert Petkovic beim Turnier in Cincinnati den amerikanischen Journalisten, dass „die Angie bald in die Top 30 und Top 20 vorstoßen wird.“ Was viele damals für Utopie hielten, so sie denn den Namen Kerber überhaupt einordnen können, ist wahr geworden – und Petkovic „schon ein bisschen stolz darauf, dass ich damals die Allererste war, die das angesagt hat.“Knöchel schwillt manchmal anDie Prognose für ihre eigene Zukunft klingt vorerst bescheiden. Turnier-Rhythmus finden, die Routine wiedergewinnen, möglichst viele Matches spielen und jeden Tag beten, „dass ich gesund bleibe.“ Der Rücken bereitet keine Probleme mehr, der rechte Knöchel schwillt manchmal an - „völlig normal“, sagen ihre Ärzte, „bei so viel Training.“ 2013 will sie wieder angreifen, zumindest hofft sie, dann wieder angreifen zu können.Vor einem Jahr hat Petkovic trotz anhaltender Knieprobleme alles getan, um sich für das Masters der besten acht Spielerinnen Ende Oktober in Istanbul zu qualifizieren. Sie hat diejenigen ignoriert, die ihr von einer Teilnahme an der inoffiziellen Weltmeisterschaft abgeraten und stattdessen eine Pause empfohlen haben. Letztlich ist Petkovic an den Bosporus gefahren, als Weltranglisten-Neunte dennoch nicht über den Status der Ersatzspielerin hinausgekommen.Gutes Match wäre ein ErfolgWer die ehrgeizige Andrea Petkovic des Vorjahres mit der aus dem Spätsommer 2012 vergleicht, mag es kaum glauben, wenn sie sagt, dass sie für die am Montag beginnenden US Open keine Erwartungen habe. Als Nummer 43 der Weltrangliste ist sie nicht gesetzt, kann somit früh auf eine starke Gegnerin treffen. „Ein Erfolg wäre schon, einfach ein gutes Match zu spielen“, sagt Petkovic. „Und wenn ich in der ersten Runde verliere, ist auch nicht so schlimm. Ich habe so viel in diesem Jahr erlebt, da wird mich eine Niederlage nicht aus dem Konzept bringen.“
23.08.2012
ZITAT
„Ich hatte Angst, dass sich das Tennis weiterentwickelt und ich womöglich nicht mehr hinterher komme.”Andrea Petkovic



