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SportXtreme mit Parkour

Die Stadt als Sportgerät

  • Bild Parkour, garantiert ohne doppelten Boden
  • Bilderserie Ein Rundgang durch Berlin
  • BildParkour, garantiert ohne doppelten Boden
    Parkour
    (10.08.2012)
    BilderserieEin Rundgang durch Berlin
    (11.08.2012)
    von Benjamin Hellwig

    Auf dem Bürgersteig vorbei an Hauswänden und Betonmauern, über den Parkplatz, sieben Stufen mit einem Handlauf aus Stahl hinunter, vorbei an Pfützen, rechts durch die Pforte. So oder ähnlich sieht in der Großstadt der Weg zum Bäcker aus. Brötchen holen kann aber auch spannender sein, via Luftlinie zum Beispiel. Das nennt man dann Parkour - heute Thema der SportXtreme-Sendung.

    Sportxtreme bei ZDFonline

    Die Sendung gibt's am Sonntag ab 22 Uhr vorab bei www.zdfsport.de

    Länge der Strecke? Ein paar hundert Meter reichen. Traceure ebnen sich einen direkten Weg. Die Umwidmung des alltäglichen städtischen Raumes geschieht bei Parkourläufern durch eine revolutionäre Betrachtungsweise: Treppengeländer werden zu Hürdenstangen, Mauerkanten zu Klettergriffen und Hauswände zu vertikalen Trittflächen auf dem Weg über ein Hindernis. Und das auf sportliche, herausfordernde und ästhetische Weise.

    Sorgenfrei, blessurenfrei
    Viel braucht es nicht, um einzusteigen. Ein Paar bequeme Schuhe, eine einfache Jogginghose und – eine gute Portion gesunder Selbsteinschätzung. Dass bei Parkour ein hohes Maß an Körperbeherrschung erforderlich ist, liegt auf der Hand. Denn nur wer vorsichtig und behutsam an seine Grenzen geht und waghalsige Manöver vermeidet, bleibt sicher und ohne Verletzungen.

    ZITAT
    Es geht nicht darum, andere zu beeindrucken
    Nico (23) - Traceur
    Keine Mutproben – gefragt ist Respekt vor dem Rendezvous mit Mauer oder Geländer. Es hilft, seine eigenen Stärken und besonders auch seine Schwächen zu kennen. Und mit klaren Gedanken unterwegs zu sein. Das eigene Bauchgefühl ist dabei oft ein verlässlicher Indikator.

    Sache des Vertrauens

    „Wenn dir die Magengegend signalisiert, dass du ein Hindernis überwinden kannst, schaffst du es auch“ – Worte, die erfahrene Traceuren oft an Neulinge weitergeben. Nico, 23-jähriger Parkourläufer aus Berlin, erweitert den Gedanken. Für ihn dreht sich bei Parkour alles um das Vertrauen in sich selbst und zu anderen Traceuren: "Wenn dich jemand motiviert, dir sagt 'Push dich mal richtig, ich glaube auch, dass du das kannst', dann ist genau das die Vertrauensbasis, die Parkour heute ausmacht. Es geht nicht darum, andere zu beeindrucken."

    Parkour / Quelle: Brian Bojsen

    Parkour, alles muss im Gleichgewicht sein.
    Quelle: Brian Bojsen

    Auch wenn er gern mit anderen Parkourläufern trainiert, ist für Nico das Einzeltraining eine besondere Herausforderung. „Es ist extrem intensiv, nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Die pure Auseinandersetzung mit dir selbst!“

    "Gespür für die Umwelt"

    Für den 23-Jährigen geht es darum, sich langsam an seine Grenzen heranzutasten, sie nicht zu brechen, sondern gezielt durch sein Training zu verschieben. „Du merkst, dass da eine körperliche oder mentale Blockade ist. Alles wirkt auf dich plötzlich schief und krumm. Und du weißt gar nicht mehr, wie du zufassen sollst. Da bekommst du ein ganz feines Gespür für deine Umwelt und deinen eigenen Körper“, sagt er.

    Die Bewegungskunst Parkour bedeutet weit mehr, als den eigenen Körper athletisch und geschmeidig über eine Mauer zu bugsieren, nur um somit schnell und effizient von A nach B zu gelangen. Beim Überwinden von Hindernissen sind Körper und Geist im Einklang. Einige Parkourläufer sehen in dem urbanen Workout Kraftvolleres als nur eine Stärkung der Muskelmasse.

    Links
    Die Sendung am Sonntag Ben Scheffler: Erleuchtung beim Mauersprung Rouladen und Katzensprünge Das Blog zur SendungDas ZDF ist für Inhalte externer Internetseiten nicht verantwortlich
    Angenehme Nebenwirkungen

    Parallelen zum Alltag für sich zu entdecken und dabei aus dem sportlichen Kraft für die Psyche zu schöpfen, sind willkommene und gewünschte Nebenwirkungen: „Und plötzlich machst du dir Gedanken über Ernährung und Gesundheit – ich habe zum Beispiel noch nie Alkohol getrunken. Das würde meinem Ziel widersprechen, jederzeit die Kontrolle über mich zu haben. So entfernt sich Parkour von dem, was du offensichtlich im Stadtbild siehst. Stück für Stück. Und wenn du für diese Leidenschaft deine Augen öffnest, siehst du plötzlich ein riesiges Potenzial“, sagt Nico - und klingt dabei so, als habe er seinen eigenen Weg schon geebnet.

    Parkour-Techniken

    Passement Rapide ...

    ... die schnelle Überwindung: Über hüft- bis schulterhohe Hindernisse wie Mauern, Bänke und Zäune. Eine Hand auf dem Hindernis koordiniert den Sprung. Mit einem Bein abstoßen und beide Beine seitlich des Körpers über das Hindernis schwingen. Mit dem Fuß aufkommen, mit dem man angesprungen bist. So bleibt der Flow erhalten und die Geschwindigkeit hoch.

    Roulade ...

    ... die Rolle: Eine wichtige Grundtechnik, die gerade bei Anfängern ins
    Trainingsprogramm gehört. Nach hohen Sprüngen oder tiefem Fall, um die Energie weiterzuleiten. Auf Hindernissen, um über sie hinwegzurollen. Durch die Rollbewegung bleibt auch der Flow erhalten.

    Saut de Chat ...

    ... der Katzensprung: Für weite Sprünge über Abgänge, Mauern oder Gräben. Für stabile Hindernisse. Wie beim Hocksprung nimmt man Anlauf, springt mit beiden Beinen ab und greift nach vorn. Mit den Händen auf dem Hindernis aufklatschen und zwischen den Armen hindurchschwingen. Beim Landen in die Hocke gehen, um den Sprung abzufedern. Oder eine Rolle anfügen.

    Franchissement ...

    ... der Durchbruchssprung: Unter Geländern oder Stangen oder zwischen Ästen hindurch. Als Anfänger zwischen großen Lücken trainieren. Das Hindernis so greifen, dass dabei die Handrücken zum Gesicht zeigen. Beine anziehen und nach vorne strecken. Den Schwung, nutzen, um wieder in die Ausgangsposition zu kommen. Vorsicht mit dem Kopf!

    Saut de Précision ...

    ... der Präzisionssprung: Ein Lückensprung aus dem Stand oder einem anderen Sprung mit präziser Landung. Knie anwinkeln, Arme von hinten nach vorn schwingen. Abspringen, auf Fußspitzen oder -ballen landen. Bei der Landung etwas in die Knie gehen und mit den Armen ausbalancieren.

    Saut de Bras ...

    ... der Armsprung: Über Lücken und auf Mauern. Grundlage ist der Präzisionssprung. Die Arme bleiben nach vorn gestreckt, die Fußspitzen treffen zuerst auf das Hindernis. Kein Kniekontakt. Mit den Händen die obere Kante greifen und in der hängenden Position landen. Anschließend einen weiteren Armsprung anfügen oder auf das Hindernis ziehen.

    Passe Muraille ...

    ... die Mauerüberwindung: Zur Überwindung von hohen Mauern. Mit einem Bein abspringen und mit dem Fuß des Sprungbeins hüfthoch gegen die Mauer treten, um sich weiter nach oben zu katapultieren. Arme mitschwingen, mit den Händen die obere Kante der Mauer greifen und wie beim Armsprung nach oben ziehen.

    12.08.2012
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