SportXtreme | Sendung am Sonntag
Parkour - das Hindernis ist das Ziel
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Die Stadt als Sportgerät
Rouladen und Katzensprünge
Erleuchtung beim Mauersprung
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Jeannine Michaelsen
Parkour-Techniken
Passement Rapide ...
... die schnelle Überwindung: Über hüft- bis schulterhohe Hindernisse wie Mauern, Bänke und Zäune. Eine Hand auf dem Hindernis koordiniert den Sprung. Mit einem Bein abstoßen und beide Beine seitlich des Körpers über das Hindernis schwingen. Mit dem Fuß aufkommen, mit dem man angesprungen bist. So bleibt der Flow erhalten und die Geschwindigkeit hoch.
Roulade ...
... die Rolle: Eine wichtige Grundtechnik, die gerade bei Anfängern ins
Trainingsprogramm gehört. Nach hohen Sprüngen oder tiefem Fall, um die Energie weiterzuleiten. Auf Hindernissen, um über sie hinwegzurollen. Durch die Rollbewegung bleibt auch der Flow erhalten.
Saut de Chat ...
... der Katzensprung: Für weite Sprünge über Abgänge, Mauern oder Gräben. Für stabile Hindernisse. Wie beim Hocksprung nimmt man Anlauf, springt mit beiden Beinen ab und greift nach vorn. Mit den Händen auf dem Hindernis aufklatschen und zwischen den Armen hindurchschwingen. Beim Landen in die Hocke gehen, um den Sprung abzufedern. Oder eine Rolle anfügen.
Franchissement ...
... der Durchbruchssprung: Unter Geländern oder Stangen oder zwischen Ästen hindurch. Als Anfänger zwischen großen Lücken trainieren. Das Hindernis so greifen, dass dabei die Handrücken zum Gesicht zeigen. Beine anziehen und nach vorne strecken. Den Schwung, nutzen, um wieder in die Ausgangsposition zu kommen. Vorsicht mit dem Kopf!
Saut de Précision ...
... der Präzisionssprung: Ein Lückensprung aus dem Stand oder einem anderen Sprung mit präziser Landung. Knie anwinkeln, Arme von hinten nach vorn schwingen. Abspringen, auf Fußspitzen oder -ballen landen. Bei der Landung etwas in die Knie gehen und mit den Armen ausbalancieren.
Saut de Bras ...
... der Armsprung: Über Lücken und auf Mauern. Grundlage ist der Präzisionssprung. Die Arme bleiben nach vorn gestreckt, die Fußspitzen treffen zuerst auf das Hindernis. Kein Kniekontakt. Mit den Händen die obere Kante greifen und in der hängenden Position landen. Anschließend einen weiteren Armsprung anfügen oder auf das Hindernis ziehen.
Passe Muraille ...
... die Mauerüberwindung: Zur Überwindung von hohen Mauern. Mit einem Bein abspringen und mit dem Fuß des Sprungbeins hüfthoch gegen die Mauer treten, um sich weiter nach oben zu katapultieren. Arme mitschwingen, mit den Händen die obere Kante der Mauer greifen und wie beim Armsprung nach oben ziehen.
Das ist Parkour
Yamakasi - Gründer unter sich
David Belle (Bild) und Sébastien Foucan gründen 1997 zusammen mit sieben weiteren jugendlichen die erste Parkour-Gruppe und nennen sie Yamakasi. Als die beiden sie ein Jahr später wieder verlassen, löst sie sich praktisch auf. Dennoch erscheint 2001 der Film "Yamakasi – Die Samurai der Moderne". David distanziert sich anschließend von dem Streifen und bezeichnet ihn als "prostitution of their art".
Freerunning - der feine Unterschied
Sébastien Foucan entwickelte nach seiner Yamakasi-Zeit die Disziplin Freerunning. Sich effizient fortzubewegen, rückt dabei in den Hintergrund. Ästhetisches und kreatives Bewegen mit Objekten in der Umgebung steht im Fokus. Mehr Drehungen, mehr Akrobatik als bei Parkour – dennoch ist der Übergang für viele Sportler fließend.
Prominente Vertreter der Freerunner sind die Mitglieder der englischen Gruppe "Storm Freerun".
Vorbildung gefragt?
Die unterschiedlichste Vorerfahrungen können beim Einstieg helfen, denn Parkour ist interdisziplinär:
Das Einmaleins des schulischen Turnunterrichts hilft schon mal. Übungen in der Turnhalle an genormten Geräten sind aber nur bedingt in das Urbane übertragbar.
Auch Kampfsportler können punkten, weil sie von Kopf bis Fuß gut trainiert und in der Regel auch koordiniert sind. Hinzu kommen Vorteile auf mentaler Ebene durch den starken psychischen Dialog mit sich selbst.
Wer regelmäßig in der Kletterhalle trainiert, ist in Sachen Muskulatur und geistiger Stärke ebenfalls einen Schritt voraus. Doch Vorbildung ist bei Parkour kein Muss. Jeder hat seine eigenen hundert Prozent, auf die er zuarbeiten kann.
Ausrüstung
Der Traceur ist kein Equipment-Fetischist: Bequeme Schuhe und eine bequeme Hose reichen. Das Rüstzeug für den Kopf: Gesunde Selbsteinschätzung. Respekt und Offenheit.
Training
Ob Parkourneuling oder -experte: Aufwärmen ist ein Muss. Danach sollte ein Traceur die Trainingsinhalte individuell an seine Fähigkeiten anpassen. Sind Bewegungsabläufe noch nicht sicher, feilt man besser an den Basics.
An Hindernissen wie Mauer, Geländer, Zaun oder Laternenstange trainiert man dabei seinen Körper wie von selbst. Sprungkraft und Koordination beim Landen auf der Bürgersteigkante verbessern sich, wenn man nur oft genug den Sprung ansetzt. Wer sich an einer Mauerkante nicht hochziehen kann, trainiert mit dem Klassiker: Klimmzüge.
Thema Motivation: Wer alleine unterwegs ist, ist sein eigener Mentalcoach. Mit anderen zu trainieren, bedeutet: von guten Tipps profitieren.
Warum soll man an einem Geländer vorbeigehen, wenn man genauso gut auch drüber springen kann? Parkourläufer nutzen den öffentlichen Raum einfach anders, als die meisten anderen Menschen. Dabei ist es wichtig, sein Umfeld zu respektieren und aufzuklären. Nur wer ein Interesse daran hat, den eigenen Trainingsplatz zu erhalten, wird lange etwas davon haben.



