Fußballer auf Social-Media-Plattformen
Transfermarkt 2.0
Dimitar Berbatov auf Facebook
von Peter BuschLustige Bilder, aufmunternde Sprüche und möglichst viele "Likes" sind nicht mehr der einzige Grund, warum Fußball-Stars auf Social-Media-Plattformen präsent sind. Manchester Uniteds Stürmer Dimitar Berbatov bietet sich auf Facebook zum Verkauf an - und darf den Verein verlassen.Dimitar Berbatov mag Facebook. Ob Fotos nach dem Training, mit seiner Familie oder vor dem Abflug ins Trainingslager nach Südafrika - der Bulgare teilt sein Dasein mit seinen Fans. Am 15. Juli geht er einen Schritt weiter. Er sagt seinen Fans und damit der ganzen Welt, dass er nur halb so teuer ist wie gedacht. "Ich bin die Spekulationen leid, deshalb sage ich Euch das hier," schreibt er. "Ich lese die Zeitungen und sehe, dass mein Preis zehn Millionen Pfund ist. Ich spreche mit Sir Alex und der sagt mir fünf Millionen ... Also wer sagt hier die Wahrheit, was meint Ihr?"Kleiner Eintrag, große WirkungAuf Facebook kommt Berbatovs Äußerung gut an. Mehr als 2000 Kommentare erhält er nach nur zwei Tagen. Die meisten sind positiv und erinnern an all das, was Berbatov für ManU geleistet hat. Kaum einer hat vergessen, dass er vor zwei Jahren im Spiel gegen Newcastle fünf Mal getroffen hat. Allerdings ist der 31-Jährige hinter Wayne Rooney, Danny Wellbeck und Javier Hernandez jetzt nur noch vierte Wahl.Auch die Medien-Wirkung bleibt nicht aus. Alle großen Zeitungen in England berichten über Berbatovs "Ausbruch" im Sozialen Netzwerk. Trainer Sir Alex Ferguson meldet sich zu Wort. Berbatov sei ein toller Spieler, aber er könne verstehen, dass er wechseln wolle. Inzwischen sollen Galatasaray Istanbul und Zenit St. Petersburg Interesse an dem Ex-Leverkusener bekundet haben. In trockenen Tüchern ist noch nichts. Berbatov spielt erst einmal weiter bei ManU. Beim letzten Freundschaftsspiel in Südafrika wird er nach 77 Minuten eingewechselt und kommt für den Neuzugang aus Dortmund, Shinji Kagawa.Neue Dimension auf dem Transfermarkt?Dramatische Facebook-Appelle hatte Kagawa bei seinem Wechsel zu Manchester United nicht nötig.
Social Media im Transfergeschäft sind für seine Berater-Firma Pro Profil auch nicht das probate Mittel. Bernhard Schmittenbecher ist bei Pro Profil für die Medienarbeit zuständig. Er ist sich sicher, dass keiner seiner Spieler so etwas tun würde. Bei Transfers sollte ein Spieler wie Berbatov Äußerungen seinen Beratern überlassen," sagte Schmittenbecher zdfsport.de.Schmittenbecher betont, wie wichtig Seriösität für seine Firma ist. "Wasserstandsmeldungen" egal über welches Medium gebe es bei Transferverhandlungen nicht. "Damit sind wir sowohl bei Manuel Neuer als auch bei Kagawa gut gefahren," so Schmittenbecher. "Das wird von den Spielern, die wir betreuen, mitgetragen." Genau wegen dieser professionellen Einstellung wählen die Spieler Beraterfirmen wie Pro Profil. Für sie gibt es also keinen Grund, sich direkt über Facebook oder Twitter ins Transfergeschäft einzumischen.Werbe-Effekt FacebookSpontan wirkende Äußerungen wie die von Berbatov sind auf Facebook und Twitter ohnehin die Ausnahme. Schaut man sich die Seiten von Stars wie David Beckham (19 Millionen Likes) und Ryan Giggs (6 Millionen Likes) an, dann sieht man gleich den professionellen Touch von PR-Beratern. Auch die Seiten von deutschen Stars ähneln kaum den persönlichen Einträgen der meisten anderen Nutzer.Robert Lewandowksis Berater Maik Barthel meint daher, Social Media seien im "aktiven Geschäft", also bei Transfers, nicht so wichtig. Anders ist das, wenn es darum geht, Werbung zu machen. Für die einzelnen Spieler sei es ohnehin zu zeitaufwendig, die Social-Media-Seiten zu betreuen. "Wir steuern unser SM (Social Media) in der Agentur," so Barthel.Twitter-SkandaleGerade auf Twitter sind Premier-League-Spieler aber offensichtlich gern alleinverantwortlich unterwegs. Das sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Rio Ferdinand etwa verteidigt sich derzeit gegen Anschuldigungen, er habe Nationalspieler Ashley Cole rassistisch beleidigt, weil er ihn auf Twitter "choc ice" (Schokoladeneis) genannt hat. Schon mehrfach hat der englische Fußball-Verband unangebrachte Twitter-Äußerungen mit Strafen belegt. Ryan Babel, nun bei Hoffenheim und früher bei Liverpool, war der erste, der vor eineinhalb Jahren zur Kasse gebeten wurde, weil er einen Schiedsrichter kritisierte.Joey Barton, jetzt bei Queens Park Rangers, macht in Sachen Twitter kaum einer Konkurrenz. Er nutzte die Plattform im vergangenen Jahr, um seinen damaligen Verein Newcastle so zu ärgern, dass er ablösefrei wechseln durfte. Allerdings dürfte kaum ein Fußballer gern in einem Atemzug mit Barton genannt werden. Momentan hat der Verband ihn für zwölf Spiele gesperrt - wegen wiederholten Foulspiels und unsportlichen Verhaltens. Da nützten auch seine Reue-Bekundungen - natürlich per Twitter - nichts.
24.07.2012
ZITAT
„Bei Transfers sollte ein Spieler wie Berbatov Äußerungen seinen Beratern überlassen.”B. Schmittenbecher, Pro Profil



