Bundesliga - Fortuna Düsseldorf
Fortunas Radikalumbruch
17 neue Spieler verpflichtete der Aufsteiger vor der Saison – und ist damit schon einmal Bundesliga-Spitze. Sportlich muss der Erstliga-Rückkehrer seine Klasse jedoch noch nachweisen.Von Andreas DeelstraNoch einmal wurden sie gefeiert, die Aufstiegshelden von Fortuna Düsseldorf. Bei der Saisoneröffnung gegen Benfica Lissabon am Wochenende holte der Neu-Bundesligist die Aufstiegsfeier nach, die dem Klub nach dem Querelen um das Skandalspiel in der Relegation gegen Hertha BSC Berlin versagt blieb.30000 Fans in der Düsseldorfer Arena feierten noch mal ihre Stars. Von denen allerdings viele per Videobotschaft auf den Leinwänden im Stadion eingeblendet werden mussten – denn die meisten derer, die Fortuna Düsseldorf nach 15 Jahren wieder in das Fußball-Oberhaus geschossen haben, sind gar nicht mehr da. Es ist ein beispielloser Umbruch, den Manager Wolf Werner und Trainer Norbert Meier in diesem Sommer am Rhein vollzogen haben. 17 neue Spieler holte Fortuna – und stellte damit sogar den Einkauf-Krösus Felix Magath aus Wolfsburg locker in den Schatten.Fortuna-Stars wegDoch die Düsseldorfer waren zum Handeln fast gezwungen. Meier verlor den Kern des Aufstiegsteams. Der ausgeliehene Maxi Beister musste nach Hamburg zurück, Assami Lukimya ging erst nach Köln und dann doch nach Bremen und Sascha Rösler, der alternde Leitwolf des Teams, versucht sich in der Dritten Liga in Aachen. Dazu musterte die sportliche Führung eine ganze Reihe Spieler aus, die für das Abenteuer Bundesliga für zu leicht befunden wurden.Weil der Klub trotz der unglaublichen Euphorie, die in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt um Fortuna entstanden ist, immer noch recht knapp bei Kasse ist, wurden die Abgänge kostengünstig kompensiert. Der griechische Zweifach-Nationalspieler Stelios Malezas kam aus Saloniki und ist mit 400.000 Euro Ablöse auch gleich der teuerste Einkauf.Woronin will sich beweisenDer prominenteste ist er jedoch nicht. Altstar Andrej Woronin wurde aus Moskau ausgeliehen. „Mit Geld hätten wir ihn nicht mehr locken können“, sagt Meier. Der 33-Jährige will sich unbedingt noch einmal in der Bundesliga beweisen. Mit Vorlagen füttern soll den Ukrainer ein Rückkehrer. Axel Bellinghausen, Ur-Düsseldorfer in Augsburg, unterschrieb bereits frühzeitig bei Fortuna, obwohl der Aufstieg noch längst nicht gesichert war.Worauf er sich da wirklich eingelassen hatte, wurde dem 29-Jährigen schnell deutlich: „Das ist wie Augsburg mit verschärften Bedingungen“, sagt Bellinghausen. Im vergangenen Jahr war der FCA Abstiegskandidat Nummer eins – hielt aber die Klasse. Das will Bellinghausen auch bei Fortuna schaffen: „Aber das wird schwer, weil der Klub ganz neu aufbauen musste.“„Wir müssen mehr laufen“Für Norbert Meier ist das Erfolgsrezept zum Verbleib in der Bundesliga klar. „Wir werden niemanden an die Wand spielen, sondern mehr laufen müssen als die anderen“, sagt der Coach. Ob das reicht, ist fraglich. Denn viele der Neuen müssen ihre Bundesliga-Tauglichkeit noch nachweisen – trotz unbestritten vorhandenem Talent.Immerhin - auf ein paar alte Bekannte müssen die Fans dennoch nicht verzichten. Dauerbrenner Andreas Lambertz, erklärter Lieblingsspieler Meiers, ist im Mittelfeld mit Oliver Fink wohl gesetzt, genau wie Jens Langeneke, Tobias Levels und Johannes van den Bergh in der Abwehr. Gepaart mit Rückkehrer Bellinghausen, Torjäger Woronin und neuen Spielern wie Du-Ri Cha (Glasgow) oder Nando Rafael (Augsburg) eine durchaus erstligataugliche Elf.Formkurve zeigt nach obenDas erste Testspiel setzte Fortuna gegen Wolfsburg II mit 0:2 in den Sand. Doch danach zeigte die Formkurve stetig nach oben. Im letzten „halben“ Test (das Spiel wurde nach einer Tätlichkeit eines Gästespielers am Schiedsrichter abgebrochen) gegen Lissabon hielt Fortuna eine Halbzeit ein achtbares 0:0.Es ist ein schmaler Grat, den die Düsseldorfer da beschreiten. Findet sich die Mannschaft bald, kann das Team die Klasse durchaus halten. Wenn nicht, könnte es jedoch sein, dass die Anhänger den vielen Abgängen deutlich länger hinterher trauern müssen.
14.08.2012



