Fußball - International
Paris Saint-Germain - Kaufrausch mit geteiltem Echo
99 Millionen Euro für vier Spieler - Paris Saint-Germain kennt auf dem Transfermarkt keine Grenzen und kauft fleißig im Ausland ein. Weitere Stars sind noch im Gespräch. Das sorgt in der Ligue 1 für Unmut. Doch auch angesichts der schwierigen Wirtschaftslage im Land stößt der Kaufrausch von PSG-Präsident Scheich Nasser Al-Khelaifi in Frankreich auf Misstöne.von Alexis Menuge
Frankreichs wichtigste Sportzeitung L'Équipe titelte auf seiner Hauptseite "géant" (gigantisch). Nur ein Wort, um den spektakulärsten Transfer der Geschichte der französischen Liga zu zelebrieren: Für 20 Millionen Euro wurde Zlatan Ibrahimovic vom AC Mailand verpflichtet. "Durch diese Unterschrift kommt Paris Saint-Germain in eine neue Dimension. Es ist ein großartiger Tag für den Verein", sagte Sportdirektor Leonardo.
Frankreichs wichtigste Sportzeitung L'Équipe titelte auf seiner Hauptseite "géant" (gigantisch). Nur ein Wort, um den spektakulärsten Transfer der Geschichte der französischen Liga zu zelebrieren: Für 20 Millionen Euro wurde Zlatan Ibrahimovic vom AC Mailand verpflichtet. "Durch diese Unterschrift kommt Paris Saint-Germain in eine neue Dimension. Es ist ein großartiger Tag für den Verein", sagte Sportdirektor Leonardo.
Diese Klubs gaben bisher am meisten aus
Zwei deutsche Klubs sind in den Top 5
Paris St. Germain 99 Millionen Euro
FC Chelsea 49,8 Mio. Euro
Juventus Turin 45,95 Mio. Euro
Borussia Mönchengladbach 34,2 Mio. Euro
Bayern München 29,8 Mio. Euro
Quelle: Transfermarkt.de, Stand 20. 7. 2012
Ibrahimovic unterschrieb für drei Jahre. Der schwedische Nationalstürmer soll in Paris 14 Millionen Euro pro Jahr kassieren. Somit ist er der bestbezahlte Spieler, der je in Frankreich gespielt hat. Er wird sogar mehr als Lionel Messi (10,5 Mio) beim FC Barcelona verdienen. Ein fürstliches Gehalt, das in der Hauptstadt für große Aufregung sorgt. So meint Rudi Garcia, Trainer vom OSC Lille: „Sportlich betrachtet ist dieser Wechsel sehr gut für die Ligue 1, weil man sich automatisch mit diesen Stars für die Liga mehr interessieren wird." Der Trainer bedauert es aber, dass PSG nur ausländische Spieler für so viel Geld verpflichtet. "Durch seine wirtschaftliche Kraft müsste es PSG eigentlich schaffen, mehrere französische Nationalspieler in seinen Reihen zu haben", so Garcia."Es ekelt mich an"Doch so wird die Elf von Trainer Carlo Ancelotti in dieser Saison mit voraussichtlich nur einem Franzosen auflaufen, nämlich Jeremy Menez. Leonardo bastelt weiter an seinem neuen Team, um die vergangene Spielzeit schnellstmöglich zu vergessen: Vize-Meister hinter der Sensationsmannschaft aus Montpellier und in der Europa League gegen Red Bull Salzburg ausschieden - das muss in diesem Jahr besser werden. PSG hat sich klare Ziele gesteckt: Den ersten Meistertitel seit 1994 holen und in der Champions League ins Viertelfinale einziehen.Doch die für dieses Ziel investierten Wahnsinns-Summen schlagen sogar in der französischen Politik für hohe Wellen. Während PSG bereits 203,5 Millionen Euro in einem Jahr auf dem Transfermarkt ausgab, entließ Peugeot vor einer Woche 8.000 seiner Mitarbeiter aufgrund wirtschaftlicher Zwänge. Sportministerin Valérie Fourneyron beschrieb den Transfer von Ibrahimovic als "unvernünftig", und ihre Vorgängerin Roselyne Bachelot ging noch weiter. "Diese Summen sind einfach skandalös. Wie kann so ein Verein so viel Geld ausgeben, während die anderen französischen Klubs tagtäglich kämpfen, um zu überleben? Es ekelt mich an."
Europa schaut wieder nach FrankreichNichtsdestotrotz gibt es auch positive Aspekte. Die europäische Fußballwelt wird wieder mehr nach der Ligue 1 schauen, nachdem das Interesse in den vergangenen Jahren stetig sank, weil das sportliche Niveau immer schwächer wurde. So war es keine große Überraschung, dass vor einem halben Jahr Portugal an Frankreich in der UEFA-Wertung vorbeizog. Nun haber hat nur wenige Stunden nach der Unterschrift von Ibrahimovic ein schwedischer TV-Sender sofort die Rechte an der Ligue1 gekauft, um alle Spiele des PSG-Neuzugangs in seiner Heimat zu zeigen.Nach Ezequiel Lavezzi (26 Mio Euro), Thiago Silva (42 Mio Euro) und Marco Verratti (11M Mio Euro) ist Ibrahimovic der vierte Neuzugang in diesem Sommer, der Vierte aus der Serie A. Als ehemaliger Coach vom AC Mailand und Inter hat PSG-Manager Leonardo dort die besten Kontakte. Nun sucht man noch nach einem klassischen Spielmacher. Top-Kandidat: Luka Modric von Tottenham. Trotz Konkurrenz von Manchester United und Real Madrid ist PSG bereit, 50 Millionen Euro auszugeben. Wenn es doch nicht klappen sollte, wäre wohl Kaká von Real die Alternative.Im Konzert der ganz GroßenMittelfristig ist das Ziel klar: Präsident und Geldgeber, Scheich Nasser Al-Khelaifi, will in den nächsten Jahren in der französischen Liga eine Ära prägen und in der Königsklasse dem FC Barcelona und Real Madrid Paroli bieten. Und wenn man das neue PSG-Gesicht sieht, scheint nun auch alles vorhanden, damit Paris Saint Germain demnächst im Konzert der Großen eine tragende Rolle spielt.
20.07.2012
Große Show: Ibrahimovic präsentiert sich den Fans unterm Eiffelturm
Quelle: dpa
Quelle: dpa



