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Fußball - Glasgow Rangers

Supermacht am Boden

  • Rangers-Fans demonstrieren
  • Video Das brisanteste Derby der Welt
  • Rangers Fans
    Rangers-Fans demonstrieren
    (13.07.2012)
    VideoDas brisanteste Derby der Welt

    Die Glasgow Rangers sind Protagonisten eines der brisantesten Derbys der Welt - dem  Celtic Glasgow. Beschimpfungen sind die Regel. Einige Gutmenschen fordern Bußgeld für verbale Gewalttäter.

    (30.05.2012)
    von Raphael Honigstein

    Keine Gnade für die Glasgow Rangers: Der schottische Fußball-Rekordmeister muss in die vierte Liga absteigen. Die 30 Mitgliedsvereine der Scottish Football League (SFL), dem Dachverband der zweiten, dritten und vierten Liga, haben entschieden, dass die nach ihrer Bankrotterklärung im Juni neuformierten "newco Rangers" in der nächsten Saison in der untersten Profi-Liga spielen werden.

    25 der 30 SFL-Klubs hatten gegen die Rangers gestimmt. "Es war eine schwierige Entscheidung im Sinne der sportlichen Fairness", sagt SFL-Chef  David Longmuir. Die Scottish Premier League (SPL) hatte den "Gers" zehn Tagen zuvor die Mitgliedschaft verweigert.

    Das Finanzamt kommt
    Der Entschluss der SFL stellt den traurigen Tiefpunkt in der 140-jährigen Geschichte der Rangers dar. Finanzielle Schwierigkeiten hatte der traditionell protestantische Verein schon länger, stark zugespitzt hatte sich die Situation jedoch im vergangenen Jahr, als das britische Finanzamt Steuernachzahlungen von 73 Millionen Euro einforderte.

    Am 6. Mai 2011 verkaufte Eigentümer Sir David Murray, ein Stahlmagnat, den Klub für die symbolische Summe von einem Pfund an Unternehmer Craig Whyte, der große Investitionen versprach. Whyte verpfändete vorab die Einnahmen aus zukünftigen Stadionkartenverkäufen der Rangers  für 33 Millionen Euro an eine Agentur,  eigene Gelder standen ihm aber  nicht zur Verfügung.

    Zwölf-Millionen-Nachzahlung

    Als das Finanzamt im Februar dieses Jahres auf Lohnsteuer-Ausgleichszahlungen in Höhe von zwölf  Millionen Euro pochte, mussten die Rangers Insolvenz anmelden. Vier Monate später lehnte das Finanzamt einen außergerichtlichen Vergleich ab. Der Klub wurde somit offiziell liquidiert. Gegen Whyte ermittelt mittlerweile die Polizei wegen Verdacht des Betruges.

    Ein vom englischen Unternehmer Charles Green geführtes Konsortium übernahm im Mai dieses Jahres die Konkursmasse des Vereins für 10,7 Millionen Euro. Der Neubeginn in Liga vier bedeutet für die "neuen" Rangers jedoch noch lange nicht das Ende der Affäre.

    Spieler weg

    Leistungsträger wie Steve Davis, Kyle Lafferty, Jamie Ness, Steven Whittaker und Steven Naismith haben auf Rat der Profigewerkschaft den Klub schon verlassen, Green aber besteht weiter auf die Erfüllung der Verträge und will gegebenenfalls gegen die Zulassung der Transfers klagen.

    Widerstand gegen den SFL-Entscheid ist auch von der Scottish Premier League (SPL) und dem schottischen Verband (SFA) zu erwarten. SFA-Chef Stewart Regan hatte vor Abstimmung gewarnt, dass der schottische Fußball im Falle eines Zwangsabstiegs der Rangers in die vierte Liga einen "langsamen, zögerlichen Tod" sterben würde, sogar "soziale Unruhen" seien laut dem 59-Jährigen  zu befürchten.

    Sender macht Druck

    In Wahrheit geht es hauptsächlich  ums Geld. Verband und erste Liga fürchten, dass die Premier League ohne die Supermacht Rangers auf Dauer nicht überlebensfähig sein könnte. Die übertragenden Fersehsender würden höchstens ein Jahr ohne das Glasgower "Old Firm"-Derby (Celtic - Rangers) akzeptieren, deutete Premier-League-Boss Neil Doncaster an. Der bis 2017 laufende, jährlich mit 20 Millionen Euro dotierte Vertrag mit Sky und ESPN müsse eventuell nachverhandelt werden.

    Gewinner gibt es in der Leidensgeschichte der Glasgow Rangers dennoch: Die Vereine der vierten Liga freuen sich schon jetzt darauf, dass ihnen die Rangers volle Häuser und mehr Fernseh-Einnahmen bescheren.

    13.07.2012
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