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Borussia Mönchengladbach

Fingerzeig von Favre

  • Lucien Favre
  • Bilderserie Wer kommt, wer geht?
  • Trainer Lucien Favre gibt Patrick Herrmann Anweisungen / Quelle: Imago
    (05.07.2012 Quelle: Imago)
    BilderserieWer kommt, wer geht?
    (29.08.2012)
    von Andreas Morbach

    Borussia Mönchengladbach hat das viele Geld, das durch die letzten Transfers ins Haus kam, fast komplett in verheißungsvolle Spieler reinvestiert. Dazu verlängerte Trainer Lucien Favre seinen Vertrag. Nun ist die Stimmung gut – und die Spannung groß.

    Lucien Favre hat in dieser Woche eine bemerkenswerte Metamorphose durchgemacht. Am Montag, als zu Borussias Saisonstart bei schönstem Sommerwetter 2000 Fans das Mönchengladbacher Trainingsgelände bevölkerten, wirkte der Chefcoach noch auffallend unwirsch, in Gedanken versunken. Seine wohltuende Wirkung entfaltete Favres ausgedehnter Urlaub (eine Woche in Ägypten, sechs Woche in seinem Heimatdorf Saint-Barthélemy in der Westschweiz) diesmal mit Verzögerung, am Mittwoch.

    Große Hoffnungen

    Da saß der 54-jährige Fußballlehrer tiefenentspannt im Presseraum des Rautenklubs – mit einer frisch unterschriebenen Vertragsverlängerung in der Tasche. Statt bis 2013 hat sich Favre nun bis 2015 an die Niederrheinischen gebunden – weil am Ende einer monatelangen Hängepartie offenkundig alle seine Wünsche vom Überraschungs-Vierten der Vorsaison erfüllt wurden.

    Gefallen dürfte dem Übungsleiter aus der Schweiz vor allem das verheißungsvolle Personal, das Sportdirektor Max Eberl in den zurückliegenden Wochen – für viel Geld – an Land gezogen hat. Besonders große Hoffnungen setzen die Gladbacher dabei auf Favres Landsmann Granit Xhaka, der für 8,5 Millionen Euro beim FC Basel losgeeist wurde. Sowie auf den spanischen Innenverteidiger Álvaro Domínguez (für acht Millionen Euro von Atlético Madrid), der es um ein Haar in den Kader des Europameisters geschafft hätte.

    ZITAT
    Wir haben bis jetzt sehr gute Verpflichtungen gemacht.
    Lucien Favre
    Lob mit Einschränkung

    Auch mit Angreifer Peniel Mlapa, der für rund drei Millionen Euro aus Hoffenheim kam und nach einigen Trainer- und Vereinswechseln in Gladbach „die Reset-Taste drücken“ will, verknüpft der Champions-League-Qualifikant hohe Erwartungen. „Wir haben bis jetzt sehr gute Verpflichtungen gemacht“, lobt Favre die Arbeit des Sportchefs. Ein Satz, bei dem aber auch mitklingt, dass Eberl auf dem Transfermarkt noch einmal tätig werden muss. Und zwar in der Sparte Sturm.

    Laut Favres Wunsch soll die frische Offensivkraft „jung und formbar“ sein. Das Hauptkriterium ist also fixiert, und nach wie vor ganz oben auf der Kandidatenliste steht der 21-jährige Niederländer Luuk de Jong vom FC Twente. Ansonsten sind die Gladbacher mit sich und der Fußballwelt aktuell völlig im Reinen.

    Borussia Mönchengladbach / Quelle: Imago

    Lukas Rupp, Granit Xhaka , Peniel Mlapa, Alvaro Dominguez, Bamba Anderson
    Quelle: Imago

    Xhaka schon früh im Auge

    Wegen Granit Xhaka (19), der den nach Schalke gewechselten Roman Neustädter ersetzen soll. Der junge Mann fürs zentrale Mittelfeld stand schon seit 2009 auf dem Zettel von Borussias Scouting-Abteilung, Anfang 2011 nahm man dann Kontakt zu dem Sohn kosovo-albanischer Eltern auf, der am 4. Juni 2011 sein Debüt im Schweizer Nationalteam gab. Und wegen Álvaro Domínguez (23), der die von Abwehrchef Dante (zum FC Bayern) hinterlassene Lücke schließen soll.

    Die 22 Millionen Euro Transfereinnahmen, die zum größten Teil aus dem Verkauf von Marco Reus (nach Dortmund) stammen, hat Gladbach wie angekündigt fast komplett in den Profi-Kader reinvestiert. Und allein der Abmarsch von Reus, seit der EM potenzieller Stammspieler der DFB-Auswahl, drückt Favre auch jetzt noch. „Ihn eins zu eins zu ersetzen, ist schwer. Das haben wir immer gesagt – und das weiß auch die Öffentlichkeit“, warnt Gladbachs Coach vor und betitelt die kommende Saison als eine „große Herausforderung für uns alle“.

    Verlockung und Herausforderung

    Dazu gehört aktuell die Auseinandersetzung mit dem schweizerischen und spanischen Fußballverband, die Xhaka (unwahrscheinlich) und Domínguez (wahrscheinlich) beim olympischen Fußball-Turnier in England einsetzen wollen. Darin inbegriffen ist die Verlockung, Ende August den Sprung in die Champions League zu schaffen. Und dazu zählt mittelfristig die Herausforderung, den Cheftrainer auch tatsächlich für die Dauer des gerade besiegelten Vertrags zu halten.

    Zuletzt bekundete Olympique Marseille deutliches Interesse an Favre, zudem hält sich hartnäckig der Verdacht, Borussias Bank-Chef solle 2013 in München Jupp Heynckes beerben. Eine eingeflochtene Ausstiegklausel als Grund für seinen ruckartigen Stimmungsumschwung in dieser Woche? „Es stehen viele Dinge in meinem Vertrag“, kommentiert Lucien Favre diese Theorie grinsend. „Vor allem eines: Ich muss viele Punkte holen.“

    05.07.2012
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