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Bogenschützin Elena Richter

Allein ins Gold

  • Elena Richter
  • Video Frisch eingekleidet zu Olympia
  • Video Mein Tag: Olympia 2012 mit Ole Bischoff
  • Interaktiv Alle Infos zu den Spielen von A bis Z
  • Elena Richter beim Bogenschießen  / Quelle: imago
    (04.07.2012 Quelle: imago)
    VideoFrisch eingekleidet zu Olympia

    Am 27. Juli beginnen in London die Olympischen Sommerspiele. Rein optisch sind die deutschen Athleten bereits vorbereitet. Das offizielle Olympia-Outfit für alle Teilnehmer gab es in Mainz.

    (10.07.2012)
    VideoMein Tag: Olympia 2012 mit Ole Bischoff

    Ole Bischoff will auch in London erneut mit einer Goldmedaille nach Hause fahren. Der Judo-Olympiasieger von Peking trifft in dort auf Kim Jaebum, seinen Final-Gegner von 2008 und härtesten Rivale.

    (11.07.2012)
    InteraktivOlympia: Daten und Fakten
    Olympia-Almanach: Warmlaufen für London / Quelle: ZDF
    (04.07.2012 Quelle: ZDF)
    von Susanne Rohlfing

    Elena Richter ist die einzige deutsche Bogenschützin bei den Olympischen Spielen in London. Für die 22-jährige Berlinerin liegt der Reiz ihrer Sportart in einer „wahnsinnigen Ästhetik“. Bei den Männern ist Camilo Mayr im Einzel nachgerückt.

    So richtig glauben kann Elena Richter noch nicht, was ihr da bevorsteht. „Ich denke oft, dass mich gleich irgendwer wach rüttelt und mir sagt, dass das alles nur ein Traum gewesen ist“, erzählt die 22-Jährige aus Berlin. Aber das wird nicht passieren. Elena Richter darf an den Olympischen Spielen in London teilnehmen, als einzige deutsche Bogenschützin. Das ist die Realität. Am 27. Juli, dem Tag der Eröffnungsfeier der Sommerspiele, wird sie in ihren ersten olympischen Wettkampf einsteigen.

    EM-Neunte im Einzel

    „Alles ins Gold“, das ist der Wahlspruch der Bogenschützen, denn die Mitte ihrer bunten Zielscheiben ist gold-gelb-farben. Für Elena Richter heißt es jetzt „allein ins Gold“, denn beide deutsche Mannschaften, Männer und Frauen, haben die Olympia-Qualifikation verpasst. Den Einzelstartplatz hatte Richter mit Rang drei bei einem vorolympischen Quotenplatz-Turnier im Rahmen der Europameisterschaften erobert. Bei der eigentlichen EM wurde sie im Einzel Neunte. Die deutsche Frauen-Mannschaft gewann zwar EM-Bronze, scheiterte aber später beim letzten Qualifikationsturnier.

    Die Männer des deutschen Schütze-Bundes konnten sich weder im Einzel noch im Team einen Olympia-Startplatz sichern. Der 21 Jahre alte Camilo Mayr aus Stuttgart scheiterte mit Rang vier in der Qualifikation aber nur knapp und profitierte am Ende davon, dass Israel einen Startplatz abgab und er nachrücken konnte.

    Elena Richter, die das Bogenschießen inzwischen als Sportsoldatin sehr professionell betreiben kann, entdeckte ihre Leidenschaft für diese in Deutschland ungewöhnliche Disziplin vor zwölf Jahren. Ein Trainer bot an ihrer Schule Schnupperkurse an, Richter machte mit – und war sofort begeistert. Die „wahnsinnige Ästhetik“ des Bogenschießens fasziniere sie bis heute. „Es sieht sehr leicht aus, hat aber unheimlich viel mit Präzision und Ausdauer zu tun“, sagt Richter. 

    ZITAT
    Dass ein Wettkampf elf bis zwölf Stunden dauert, ist relativ normal.
    Elena Richter
    Ein Nebenberuf ist fast undenkbar

    Das Training der Bogenschützen ist hart. Sechs Stunden Üben und das Abfeuern von 600 Pfeilen pro Tag sei üblich, erklärt der deutsche Bundestrainer Oliver Haidn. Schließlich müssten die Athleten vorbereitet sein. „Dass ein Wettkampf elf bis zwölf Stunden dauert, ist relativ normal.“ Wer an Olympischen Spielen teilnehmen oder dort gar eine Medaille gewinnen will, habe keine Chance, wenn er „nebenbei noch beruflich eingebunden“ sei, sagt Haidn. Das ist auch Elena Richter irgendwann klar geworden. Nach ihrem Abitur vor vier Jahren hat sie zunächst vier Semester Logistik studiert, doch dann hat sie sich ganz ihrem Traum, die Olympiateilnahme, verschrieben.

     

    Eine der größten Bogenschützen-Nationen weltweit ist Südkorea. Die Frauen-Mannschaften der Asiaten haben seit 1988 bei allen Olympischen Spielen die Goldmedaille gewonnen, die Männermannschaften feierten zuletzt dreimal in Folge den Sieg. „Als 2009 die Weltmeisterschaft in Südkorea stattgefunden hat, wurden dort Bogenschützen auf den Titelblättern der Zeitungen abgedruckt“, erzählt Elena Richter. Der Sport sei dort einfach viel bekannter und werde viel professioneller betrieben. „Da kommt ein hauptamtlicher Coach auf sechs Bogenschützen, und hier haben wir nur einen Bundestrainer.“ Es gebe aber auch deutlich mehr Athleten, sagt Oliver Haidn. „Die haben einen Pool von rund 50 absoluten Weltklasseschützen, bei uns gibt es vielleicht jeweils sechs Top-Schützen bei den Männern und Frauen.“

     

    ZITAT
    Bogenschießen ist eine der schwierigsten Sportarten der Welt, neben dem Golfspielen vielleicht.
    Elena Richter
    Mentale Stärke ist wichtig

    Ein guter Bogenschütze müsse in vielen Bereichen gute Fähigkeiten und Fertigkeiten haben, sagt Haidn. Zum einen sei die Fähigkeit gefordert, „eine Bewegung immer wieder exakt reproduzieren zu können, wider aller Störfaktoren“. Zum anderen müsse man mental sehr stark sein. Daraus folgt für ihn: „Bogenschießen ist eine der schwierigsten Sportarten der Welt, neben dem Golfspielen vielleicht.“ Für Elena Richter heißt das: Fünf bis sechsmal pro Woche Schießtraining, zwei bis dreimal Kraftraum, dazu Laufen und mentales Training. Sie hat sich ihren Olympiastartplatz hart erarbeitet. Und jetzt? Was will sie in London erreichen? Richter sagt: „Ich gehe das ganz entspannt an, dabei zu sein, bedeutet mir schon sehr viel.“

    Hintergrundinfos

    Bogenschießen

    Die Wettbewerbe finden vom 27. Juli bis 3. August im Lord’s Cricket Ground statt. Es werden vier Goldmedaillen vergeben: Im Einzel der Männer und Frauen sowie im Team der Männer und Frauen. In beiden Einzelwettbewerben starten jeweils 64 Athleten. Das Bogenschießen war schon zwischen 1900 und 1908 olympisch, wurde noch einmal 1920 ausgetragen und tauchte dann erst 1972 wieder im Olympia-Programm auf. Geschossen wird mit dem Recurve-Bogen.

    Der Wettbewerb

    In der Vorrunde wird ein Ranking der 64 Starter ermittelt. Jeder Athlet schießt dabei zwölf Mal sechs, also insgesamt 72 Pfeile auf die 70 Meter entfernt aufgestellte Zielscheibe. Diese hat einen Durchmesser von 122 Zentimetern, für einen Treffer in den goldenen Mittelpunkt (Durchmesser 12,2 Zentimeter) gibt es das Maximum von zehn Punkten. Entsprechend der Vorrunden-Ergebnisse wird eine Rangliste aufgestellt. In der nächsten Runde geht es Athlet-gegen-Athlet weiter, es trifft der Erste auf den 64., der Zweite auf den 63. und so weiter. Der Verlierer scheidet jeweils aus. In den Eliminierungs-Runden wird nach dem Modus Best-of-Five vorgegangen. Die beiden Athleten schießen abwechselnd fünf Mal jeweils drei Pfeile, sie haben 20 Sekunden Zeit pro Pfeil. Der bessere bekommt zwei Punkte, bei Gleichstand erhält jeder einen Punkt. Wer sechs Punkte erreicht, ist der Sieger. Ist der Punktestand nach fünf Durchgängen ausgeglichen, geht es in den Sudden Death. Jeder Schütze schießt einen Pfeil, wer näher ans Zentrum trifft, gewinnt.

    Frauen-Einzel

    Deutsche Starterin: Elena Richter (Berlin)

    Vorrunde, 27. Juli, 13 Uhr

    64er- und 32er-Runde, 30. Juli bis 1. August     

    Achtelfinale, 2. August 9 Uhr

    Viertelfinale, 2. August 14 Uhr

    Halbfinale, 2. August 14.52 Uhr                

    Finale, 2. August 15.21 Uhr

    Männer-Einzel

    Männer-Einzel

     

    Deutscher Starter, Camilo Mayr (Stuttgart)

     

    Vorrunde, 27. Juli, 9 Uhr

    64er und 32er Runde, 30. Juli

    Achtelfinale, 2. August 9 Uhr

    Viertelfinale, 2. August 14 Uhr

    Halbfinale, 2. August 14.52 Uhr                

    Finale, 2. August 15.21 Uhr

    11.07.2012
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