Alkohol kann tödlich sein - das muss auch der Wanderarbeiter Zhao feststellen, als sein Kollege Liu bei einem kleinen Feierabendgelage volltrunken einschläft und nicht mehr aufwacht. Ob es nun der Schnaps war oder nicht, für Zhao steht fest, dass er ein altes Versprechen einlösen muss - nämlich, die Leiche seines Freundes in dessen Heimatort zu bringen. Keine leichte Aufgabe, denn Lius Dorf liegt am Drei-Schluchten-Damm, 1.700 Kilometer entfernt, und der öffentliche Personentransport in China gehört nicht zu den verlässlichsten Fortbewegungsmitteln. Natürlich soll niemand erfahren, dass Zhao mit einer Leiche durchs Land reist. Unglücklicherweise besteigt er mit Lius Leichnam einen Reisebus, der von Banditen überfallen wird. Zwar erregt der aufopferungsvolle Freund das Mitleid des Bandenführers und rettet damit das Hab und Gut sämtlicher Mitreisenden, doch großer Dank bleibt aus. Als die anderen Passagiere von der Leiche erfahren, setzen sie Zhao samt totem Freund empört vor die Tür. Mit allen erdenklichen Fortbewegungsmitteln setzt er seine Reise fort - mal trägt er Liu auf dem Rücken, mal verstaut er ihn in einer Schubkarre, und als alle Stricke reißen, rollt er ihn in einem großen LKW-Reifen. Auf seinem turbulenten Weg durch den Südwesten Chinas lernt Zhao dabei eine Reihe ungewöhnlicher Menschen kennen, vom emotional labilen Lastwagenfahrer über einen jungen Mann, der mit dem Fahrrad bis nach Tibet fahren will, bis zu einem einsamen Reichen, der zu seinen Lebzeiten seine eigene Beerdigung feiern lässt.
Der Spielfilm "Nicht ohne meine Leiche" von Yang Zhang bietet eines der schönsten Beispiele des jungen chinesischen Kinos, das sich seit einigen Jahren vielgestaltig und dynamisch entwickelt. Die skurrile und herzerwärmende Komödie mit dem chinesischen Starkomiker Benshan Zhao in der Hauptrolle, erzählt beiläufig von Armut, sozialer Kälte und notgedrungener Arbeits-Migration im Wirtschaftswunderland China - verfällt dabei aber nicht in Bitterkeit oder Zynismus.




