Terra X | Sendung vom 10.06.2012 [Archiv]

Versunkene Metropolen

Tatort Tucumé - Pyramidenstadt in Peru

Das rätselhafte Volk der Lambayeque gehörte zu den großen Baumeistern des Altertums. Im Norden von Peru ließ die alte Kultur 250 kolossale Pyramiden in den Himmel wachsen. Nirgendwo sonst in Südamerika entstanden mehr Pyramiden als im Tal der Lambayeque. Doch plötzlich verschwand die Hochkultur, die grandiosen Stätten verfielen.

Erst Jahrhunderte später sollten sie wieder entdeckt werden. Im September 1875 verschlägt es den Maschinenbau-Ingenieur Hans Heinrich Brüning in den Norden Perus. Durch Zufall beobachtet er dort, wie Einheimische einzigartige antike Kunstgegenstände einschmelzen. Der wissenschaftlich interessierte Deutsche macht sich sofort auf die Suche nach der Herkunft der goldenen Kostbarkeiten. Seinen Beruf als Ingenieur gibt er auf, um sich fortan als Fotograf und Archäologe den Hinterlassenschaften der frühen indianischen Kulturen zu widmen.

Durch Hans Heinrich Brüning erfährt die Welt erstmals vom Tal der Pyramiden. Was heute aussieht wie schroffe Bergformationen, waren einst riesige Monumente - von Menschenhand aus Lehmziegeln aufgeschichtet. Brüning zieht nach Tucume, die Gelehrte noch heute als eine der bedeutsamsten archäologischen Stätten einstufen. Er will herausfinden, warum die Indianer so viele Monumente errichteten und wieso sie spurlos verschwanden. Doch der glückliche Entdecker kann das Geheimnis nicht lüften.

Um das Jahr 1100 nach Christus entstand der erste prachtvolle Kolossalbau in Tucume. Weitere 25 folgten, die den Königen und ihren Familien als Herrschersitz dienten. Archäologen vermuten, dass die Lambayeque für die Form ihrer Pyramiden das Aussehen der peruanischen Bergwelt vor Augen hatten, denn die Andengipfel besaßen ihrem Glauben nach magische Kräfte.

Die Götter wohnten in den Bergen, also sollte der erste Mann im Staat ebenfalls hoch oben thronen. Die verblüffend große Zahl der markanten Monumente legt die Vermutung nahe, dass die Lambayeque ihre Städte nur kurze Zeit bewohnten, sie dann aufgaben und an anderer Stelle neue Residenzen errichteten. Wissenschaftler vermuten, dass Klimakatastrophen, verursacht durch das Wetterphänomen El Niño, viele der blühenden Metropolen auslöschten.

Tucume ist die letzte der großen Pyramidenstädte. Dort gelingt einem internationalen Forscherteam im Sommer 2005 ein Aufsehen erregender Fund. Die Ausgräber legen unweit eines Tempels 119 menschliche Skelette frei.

Die Knochen weisen Anzeichen eines grausamen Opfertodes auf: Männer, Frauen und Kinder wurden enthauptet. Den Gang zum Schafott legten sie freiwillig zurück. Eine Droge hatte ihren Körper betäubt, aber ihren Geist bei vollem Bewusstsein gehalten. Das Massaker deuten die Wissenschaftler als verzweifelten Versuch, die Götter zu besänftigen.

Das Andenvolk fühlte sich von einer realen, übermächtigen Gefahr bedroht. Doch die blutigen Rituale konnten das Unheil nicht abwenden. Den Einwohnern blieb nur ein Ausweg: die Flucht. Sie brannten Tucume nieder und verließen die Stadt. Das Ende einer Hochkultur. Denn mit den Flammen verlosch die Jahrtausende alte Tradition des Pyramidenbaus in Peru.

10.06.2012

Sendungsinformationen

Sonntag 10.06.2012, 14:55 - 15:40 Uhr 

VPS 10.06.2012, 14:55 Uhr


Länge: 45 min.

Dokumentation

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